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TEIL 1 – The Red House Grönland – Interview mit Robert Peroni

The Red House Titelbild

Werbung von Herzen 
Alle Fotos sind von Ulrike Fischer – The Red House – Greenland

Es ist samstags, 15.00 Uhr, der Laptop läuft und die Seite des Videochats startet. Jetzt geht es also los, mein erstes Interview überhaupt und das auch noch per Liveschaltung direkt nach Grönland.

Mit schwitzigen Fingern drücke ich auf das Kamera Symbol und die “Warteschleifenmusik” erfüllt den Raum. Mein rasend schneller Herzschlag erzeugt den passenden Beat dazu.

Dann ein kurzes Flackern in der Leitung und da ist er, Robert Peroni höchstpersönlich!!!

 

In Tasiilaq, der größten Stadt Ostgrönlands, ist es gerade 11.00 Uhr und ein ebenso gespannt dreinschauender Robert blickt mir entgegen. 

Der Südtiroler Peroni war Leiter diverser internationaler Expeditionen und wurde durch die Erstdurchquerung des grönländischen Inlandeises an seiner breitesten Stelle im Jahr 1983 bekannt.
88 Tage, 1400 km, ohne Hilfsmittel oder Versorgungspakete. Und dieser Mann sitzt mir nun gegenüber.

In den 90er Jahren eröffnete er in Tasiilaq
“The Red House” und von Beginn an stand dort ein Schild:
“Dieses Haus gehört nicht mir, es gehört allen.”

Robert Peroni - Greenland
Robert_Peroni_December2019_Ulrike_Fischer

Es ist eine Herberge für Gäste und zugleich Zufluchtsort für junge Grönländer.
Ein sozialer Treffpunkt, in dem Robert Peroni ausschließlich einheimische Mitarbeiter beschäftigt und so dazu beiträgt, dass diese ein gesichertes Einkommen haben.

Auge in Auge mit Robert Peroni

Vor einigen Jahren las ich sein Buch “Kälte, Wind und Freiheit – Wie mich die Inuit den Sinn des Lebens lehrten” und das Faszinierendste für mich an diesem Buch war, zu erfahren, welch unschuldige, aber ursprüngliche Wahrheiten in dem Denken der Inuit liegt.

Frage:

Was war es, das dich an den Menschen und dem Ort hat fühlen lassen, dass du angekommen bist und bleiben möchtest?

Robert Peroni:

“Ehrlich gesagt, habe ich das nicht entschlossen, sondern sie habe mich mehr oder weniger dahin gebracht.”

Er kam als Bergsteiger und Expeditionsleiter nach Grönland und die Menschen vor Ort haben ihn mit offenen Armen empfangen und einfach nicht mehr losgelassen.
Die Langsamkeit und die unglaubliche Freiheit, sie haben die Art von Menschlichkeit überbetont. Erzählte Peroni.

Als Anekdote berichtete er mir, wie ihn eine Familie zu Beginn ganz besonders ins Herz geschlossen hatte. So sehr, dass er nachts in der “Besucherritze” zwischen dem Ehepaar schlief. Es war etwas Bedeutungsvolles, dort sein zu dürfen.

Die Grönländer haben etwas, was das Leben bedeutungsvoll macht.
Früher wurden sie max. 40-50 Jahre alt, weswegen sie intensiver gelebt haben mit einer Freundlichkeit, einer Tiefe und mit einer Ausdrucksform, die Robert Peroni noch heute fasziniert.

the-red-house-eastgreenland
the-red-house-eastgreenland-by Ulrike Fischer

Frage:

Bei ganz speziellen Ländern wie Grönland mit seiner Kultur und Mentalität, frage ich mich, hilft der Tourismus oder ist er eher schädlich?

Robert Peroni in front of the RED HOUSE HOTEL, Tasiilaq, East Greenland by Ulrike Fischer
Robert Peroni:

Vom Grundsatz ist Tourismus schädlich und macht viel kaputt, doch auf der anderen Seite können wir uns nicht selbst ausschließen.

  1. Müssen wir Leben und Geld verdienen.
  2. Können wir es irgendwie gerade biegen.

Noch heute ist sein Leitfaden: Wie kann man Tourismus machen, ohne zu viel Schaden anzurichten, dem Gast aber zugleich auch etwas bieten.

“The Red House” ist nicht einfach nur ein Hotel, dieses wäre ihm zu bitter, es ist ein Destinationshotel.

Umweltbewusstsein sei ihm wichtig, so z.B. würde er nur 1x die Woche fliegen, um einen Gast zu holen und nicht an allen 7 Tagen in der Woche.

Frage:

Durch die Kolonialisierung Grönlands wurde den Grönländern ein westliches Leben “gezeigt” und nun machen sie die Evolution, wofür wir Jahrhunderte gebraucht haben, in einer rasend schnellen Zeit durch.

Demnach haben wir Europäer zu den heute bestehenden Problemen beigetragen, wenn diese nicht sogar erst verursacht.
Was glaubst du, haben wir für Möglichkeiten, den Inuit bei diesen Problemen zu helfen?

Robert Peroni:

Es wird viel angeboten als Hilfeleistung, aber… sie versuchen ihr Bestes.

The Red House hat im Jahr ca. 600-700 Besucher. Das sind 600-700 Botschafter, bei denen er die Möglichkeit hat, diese zu beeinflussen.

Jeden 2. Abend veranstaltet er Referate oder Fragestunden. Er merkt, dass er die Leute erreicht und in ihrem Denken eine Veränderung stattgefunden hat zwischen ihrer Ankunft und Abreise.

Sie lernen Respekt zu haben vor der Langsamkeit, Respekt zu haben vor einer “primitiveren” Lebensweise, Respekt zu haben, wie andere denken und reagieren.
Denn sie sind es, die hier leben müssen, und nicht wir.

the-red-house-eastgreenland-by Ulrike Fischer

Hier endet nun der erste Teil meines Interviews mit dem Abenteurer Robert Peroni.

Im zweiten Teil könnt ihr erfahren, warum Robert Peroni aktuell am “Verhungern” ist und was ein neues WC in Grönland kostet.

W I C H T I G !!!

Wegen der aktuellen Lage können auch nach Grönland keine Gäste einreisen um in der Destination The Red House zu übernachten.

Auch die aktuelle Wintersaison findet nicht statt und somit hofft The Red House weiterhin auf Unterstützung. Unterstützung, um das Rote Haus zu erhalten und den Mitarbeitern wieder eine Anstellung geben zu können, sobald Reisen nach Tasiilaq wieder erlaubt sind. Bitte seht euch den Spendenaufruf auf der Startseite von The Red House an und teilt die Kampagne, um diese zu unterstützen.

Filmcover
The Red House in Greenland - Filmcover

Möchtet ihr schon vor meinem 2. Teil des Interviews mehr über Robert Peroni und The Red House erfahren, dann schaut doch die aktuelle Dokumentation:

THE RED HOUSE 

in Film über einen Abenteurer, der dem letzten Jägervolk hilft, den Fuß in die heutige Zeit zu setzen.

 

 

Teil 2 meines Interviews mit Robert Peroni.

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ABØUT ME

Hallo, ich bin Kerstin und die Person, welche hinter dem Blog 66° NORDISK steckt.
66° NORDISK steht für Scandinavia Travel – Camperlife - Female Solo Explorer
Mein Campervan „der Dicke“ und ich kennen nur eine Richtung und das ist NORD!!!
Wenn ich sage WIR, dann meine ich meinen Dicken und mich, denn zu 95% reise ich also ich meine wir, allein.
Durch die spektakuläre Natur und Weite vermittelt einen Skandinavien ein wahnsinniges Gefühl von Freiheit, wenn dieses noch gepaart wird durch eine Reise mit dem Camper bei der man eine absolute Unabhängigkeit hat, ist das das Größte für mich. Mehr Freiheit geht nicht, der Geist kann durchatmen.
Und darum geht es auch auf meinem Blog.

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